Informationen zu Impfungen gegen COVID-19

Seit dem Jahreswechsel laufen die Impfungen gegen COVID-19. Die Impfzentren in den Bundesländern sind aufgebaut und weitestgehend betriebsbereit. Begonnen wird zunächst bei Menschen mit besonderen Belastungen und bei Menschen über 80 Jahren. Weitere Gruppen werden folgen, je nach der Lieferung der Impfstoffe.

Wir versuchen, die wichtigsten Fragen zur Corona-Impfung zu beantworten:

Wer wird zuerst geimpft?

Mann bekommt Impfung in den Oberarm

Das Bundesgesundheitsministerium hat in seiner Corona-Impfverordnung eine Prioritätenliste festgelegt, nach der geimpft wird.

Einzelheiten zu den Festlegungen sind auf der Internetseite des Bundesgesundheitsministeriums zu finden: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/coronavirus/faq-covid-19-impfung.html

Für Menschen mit Behinderungen ist dabei wichtig, dass Menschen, „die in stationären Einrichtungen zur Behandlung, Betreuung oder Pflege älterer oder pflegebedürftiger Menschen behandelt, betreut oder gepflegt werden oder tätig sind“, zur höchsten Prioritätsgruppe gehören. In diese Gruppe fallen auch Menschen, die in ambulanten Pflegediensten arbeiten.

In der zweiten Prioritätsgruppe sind insbesondere Menschen mit kognitiven Einschränkungen, Demenz oder auch Trisomie 21 zu finden sowie auch Personen, die mit diesen engen Kontakt haben, dazu zählen auch Mitarbeiter:innen in Einrichtungen für diesen Personenkreis.

In der dritten Prioritätsgruppe sind Menschen mit einer Reihe von chronischen Erkrankungen: Adipositas, chron. Nierenerkrankung, chron. Lebererkrankung, Immundefizienz oder HIV-Infektion, Diabetes mellitus, div. Herzerkrankungen, Schlaganfall, Krebs, COPD oder Asthma, Autoimmunerkrankungen und Rheuma.

Erst wenn diese Personengruppen geimpft sind, steht die Impfung allen weiteren Bürger:innen offen.

Für die Umsetzung der Regelungen sind die Bundesländer verantwortlich.

Werden pflegende Angehörige besonders schnell geimpft?

Die Antwort darauf ist leider nein. Die Patient:innenverbände und Selbsthilfeorganisationen hatten dies gefordert, das Bundesgesundheitsministerium ist der Forderung jedoch nicht gefolgt.

Können sich auch Menschen mit Spina bifida und/oder Hydrozephalus impfen lassen?

Die Diagnose Spina bifida und / oder Hydrocephalus für sich genommen spricht nicht gegen eine Impfung. Wie auch bei anderen Studien zu Impfstoffen, waren Menschen mit Spina bifida und/oder Hydrocephalus nicht an der Impfstudie beteiligt. Menschen mit chronischer Nierenerkrankung, Diabetes mellitus und weiteren Grunderkrankungen wird die Impfung empfohlen und sie sind in der Liste der priorisierten Impfempfänger des Bundesgesundheitsministeriums aufgeführt. Allgemein gelten die Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission. Das Robert-Koch-Institut (RKI) listet keine Einschränkungen für Impfungen der Menschen speziell wegen Spina bifida und/oder Hydrocephalus auf. Das heißt konkret: Menschen mit Spina bifida und/oder Hydrocephalus werden genauso behandelt wie alle anderen Menschen auch. Fällt die Person in eine Priorisierungsgruppe kann sie sich impfen lassen, wenn diese Gruppe dran ist.

Menschen mit Spina bifida und / oder Hydrocephalus unterliegen somit den gleichen Empfehlungen bezüglich der Impfung wie andere Menschen auch. Dies gilt nicht nur für die Zuordnung der Priorität sondern auch für die Beachtung von Risiken und Nebenwirkungen.

Wie immer gilt: die Impfung soll latexfrei erfolgen, Handschuhe und weitere mit der Impfung im Zusammenhang stehende Materialen müssen ohne den Zusatz von Naturlatex vorliegen! 

Impfungen und Epilepsie: Auch wenn zur Spina bifida zusätzlich eine Epilepsie vorliegt, spricht zunächst nichts grundsätzlich gegen die Impfung. Entscheidend ist auch hier die individuelle Situation. Es gilt die generelle Empfehlung des RKI zum Impfen bei Epilepsie und bei neurologischen Schäden.

Ist die Impfung zu empfehlen?

Corona-Impfstoff in der Ampulle (Symbolbild)

Ja, die Impfung ist allen zu empfehlen! In der EU gibt es – anders als in anderen Ländern – keine ‘Notzulassung’, bei der auf bestimmte Sicherheitsaspekte evtl. verhindert wird. Die Impfstoffe werden unter der sogenannten bedingten Zulassung auf den Markt gebracht, hierbei werden weitere Untersuchungen im Verlauf der Verwendung durchgeführt (weiterführende Informationen auf der Website des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM)).

Im Zusammenhang mit der Impfung gegen COVID-19 gibt es viele Fragestellungen und es kursieren in den sozialen Netzwerken und manchmal auch in der Presse falsche Darstellungen oder es werden voreilig Schlüsse aus nicht vollständigen Informationen gezogen. Viele der Fragen kann eine Zusammenstellung des Wissenschaftsmagazins ‘Quarks’ vom WDR beantworten (Link zum Artikel).

Welche Impfstoffe stehen zur Verfügung?

Zugelassene Impfstoffe

Eine Übersicht über die zugelassenen Impfstoffe gibt es auf der Internetseite des Paul-Ehrlich-Instituts.

Neben der Zulassung ist in Deutschland eine weitere Prüfung notwendig. Arzneimittel sowie Impfstoffe dürfen nur in den Verkehr gebracht werden, wenn sie jeweils vom Paul-Ehrlich-Institut freigegeben werden. Diese Prüfung ist für jede hergestellte Charge notwendig.

Zugelassen in der EU sind derzeit folgende Impfstoffe:

Impfstoff Comirnaty (BNT162b2, Biontech / Pfizer)

Der Impfstoff von Biontech wurde vor der Zulassung an über 21.000 Menschen verschiedener Altersstufen getestet (Phase 3-Studie). Der Impfstoff von Biontech wurde vor der Zulassung an über 21.000 Menschen verschiedener Altersstufen getestet (Phase 3-Studie). Das sind mehr Testpersonen als bei anderen zugelassenen Impfstoffen. Dabei traten – entgegen mancher Artikel in mehr oder weniger seriösen Publikationen – wenige und nicht gravierende Nebenwirkungen auf. Wer das genau nachlesen will, findet eine Auflistung in diesem Artikel zur Studie beim renommierten New England Journal of Medicine. Die veröffentlichten allergischen Reaktionen bei bislang 6 Menschen sind bei der Anzahl der bislang zusätzlich zur Studie geimpften Menschen nicht ungewöhnlich. Alle in der EU zugelassenen Impfstoffe erfüllen die Anforderungen an eine Zulassung wie jedes andere Medikament auch.

Impfstoff mRNA-1273 (Moderna)

Der Impfstoff von Moderna wurde an rund 15.000 Menschen getestet, die Studie wurde noch nicht vollständig veröffentlicht, es gibt bislang keine Hinweise auf schwere Nebenwirkungen.

Die bedingte Zulassung dieses Impfstoffes wurde von der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA am 6.1. empfohlen und auch von der Europäischen Kommission zugelassen. Die Auslieferung hat auch in Deutschland begonnen.

Impfstoffe in der Zulassung

Für den Impfstoff der Firma AstraZeneca, der in Zusammenarbeit mit der Universität Oxford entwickelt wurde, wurde am 12. Januar die Zulassung in der EU bei der EMA beantragt (Link zur Pressemitteilung).

Weitere Informationen zu Impfstoffen

Weitere Informationen gibt es auch auf der Homepage des RKI sowie des Paul-Ehrlich-Instituts im Unterpunkt FAQ COVID-19-Impfstoffe sind alle Informationen nochmals zusammengefasst.

Zu den einzelnen Impfstoffen hat das bundeseigene Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) auf der Homepage gesundheitsinformation.de jeweils Informationen veröffentlicht und wird dies auch für weitere zugelassene Impfstoffe ergänzen.

Wenn Sie verfolgen wollen, wie viele Menschen bereits geimpft wurden, dann können Sie das auf der Seite Our World in Data (ein Projekt der Universität Oxford University) tun.

Weitere Impfstoffe sind in verschiedenen Phasen der Entwicklung bzw. bereits Testung. Zu weiteren Impfstoffen sind die Daten noch nicht ausreichend bzw. noch nicht veröffentlicht.

Kann ich nach der Impfung kein Corona mehr bekommen?

Nach den vorliegenden Zahlen zum Impfstoff von Pfizer/Biontech (BNT162b2) liegt die Wirksamkeit bei rund 95%. Das heißt, dass auch 5% der Menschen mit Impfung eine Infektion bekommen und erkranken können. Das ist eine sehr hohe Wirksamkeit, dennoch ist eine Infektion auch nach der Impfung nicht ausgeschlossen. Die Wirksamkeit des Impfstoffs der Firma Moderna (mRNA-1273) liegt ähnlich hoch.

Für den Impfstoff der Firma AstraZeneca sind die genauen Zahlen noch nicht bekannt, erste Veröffentlichung lassen auf eine etwas geringere Wirksamkeit schließen.

Kann ich nach der Impfung niemanden mehr anstecken?

Das kann man heute leider noch nicht beantworten. Man weiß, dass die Impfung mit dem Impfstoff von Pfizer-Biontech zu bis zu 95% wirksam ist, Moderna gibt als Wirksamkeit 94,1 % an. Das heißt die Impfstoffe schützen in einem hohen Maße davor, selbst an Corona zu erkranken. Ob man die Infektion deshalb an andere Personen übertragen kann, ist nicht abschließend geklärt und Gegenstand weiterer Untersuchungen.

Brauche ich nach der Impfung dann keine Maske mehr?

Da noch nicht geklärt ist, ob die Übertragung der Infektion durch die Impfung vermieden wird, bleibt die Maske auf absehbare Zeit unser Begleiter und auch das Einhalten der AHA-Regelungen bleibt wichtig.

Was kostet die Impfung?

Die Kosten für die Impfung übernimmt der Staat – Ihnen entstehen keine direkten Kosten. Die Regelungen zur Übernahme von Fahrtkosten zu Impfterminen sind in den Bundesländern unterschiedlich.

Wo muss ich mich zur Impfung anmelden?

Die Bundesländer regeln jeweils die Anmeldung. Für Rheinland-Pfalz ist die Anmeldung über die – kostenfreie – Telefonnummer 0800-5758100 sowie auf der Homepage impftermin.rlp.de möglich. In Hessen gilt die Telefonnummer der Kassenärztlichen Vereinigung 116 117 bzw. die Homepage www.impfterminservice.de.

Werden Kinder und Jugendliche auch geimpft?

Der Impfstoff ist für Personen ab 16 Jahren zugelassen. Kinder werden zunächst nicht geimpft. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hat die Empfehlung ausgesprochen, Personen ab 16 Jahren zu impfen . Ob und wenn ja wann die Impfung auch für Kinder zur Verfügung steht, kann derzeit noch nicht beantwortet werden. Für die Zulassung von Medikamenten und Impfstoffen für Kinder gelten besondere Voraussetzungen und es müssen gesondert Studien erstellt werden. Die Untersuchungen zu Wirksamkeit und Verträglichkeit bei Kindern und Jugendlichen laufen bereits.

In einigen Ländern, z.B. in Rheinland-Pfalz sind aktuell Personen unter 18 Jahren von der Impfung ausgeschlossen.

Was ist die Impf-App?

Mit der Impf App „SafeVac 2.0 des Paul-Ehrlich-Instituts kann nach der Impfung die Sicherheit und die Verträglichkeit nachverfolgt werden. Die Verwendung der App ist freiwillig. Sie ist für Android und Apple verfügbar.

Artikel Stand 15.1.2021 – wird bei Bedarf erweitert und ergänzt.

Ergänzung 15.1.2021:

  • Information und Link zu Impfen und Epilepsie
  • Link zu den allgemeinen Informationen des Magazin ‘Quarks’

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband ASBH und dem wissenschaftlichen Beirat.

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